AZETONÄMISCHES ERBRECHEN – HOHER BLUTZUCKER UND KEIN DIABETES TYP 1

AZETONÄMISCHES ERBRECHEN – HOHER BLUTZUCKER UND KEIN DIABETES TYP 1

Für alle Eltern die nach einer Erklärung für immer wiederkehrendes, unerklärliches Erbrechen Ihrer Kinder suchen möchte ich folgende Informationen geben. Hoher Blutzucker nach Erbrechen?! Diabetes Verdacht bei Kleinkind?! Bitte liest meine Erfahrungen und spricht dann euren Arzt darauf an: Azetonämisches Erbrechen!

AZETONÄMISCHES ERBRECHEN – HOHER BLUTZUCKER UND KEIN DIABETES TYP 1 1
Azetonämisches Erbrechen – Hoher Ketonwert ist nicht immer gleich Diabetes

Azetonämisches Erbrechen! KEIN DIABETES

Unsere Tochter (4 1/2 Jahre) hat seit 3 Jahren schon diese unerklärlichen Tage des plötzlichen, unerklärlichen Erbrechens, Benommenheit etc.

Symptome:

Alle paar Monate oder alle paar Wochen wacht sie morgens auf (ich meine sie öffnet gerade ihre Augen und liegt noch im Bett) und hat sofort starken Durst, manchmal auch richtig Hunger. Sie ist ruhiger als sonst und legt sich nach einigen Minuten hin – sie ist sehr aktiv und macht das nur wenn es ihr schlecht geht. Nach einiger Zeit (10 Minuten oder nach 1 Stunde) sagt sie ihr ist schlecht und dann geht es auch schon los mit dem Erbrechen. Im Moment nach dem Erbrechen geht es ihr besser und sie hat sofort wieder Durst und Hunger, doch egal was man gibt, es bleibt nicht im Magen. Nach einigen Malen Erbrechen ist sie total erschöpft und liegt wie Benommen nur da und schläft dann für einige Stunden ein.

Wenn sie dann aufwacht ist ihr nicht mehr übel. Sie isst und trinkt dann viel und es dauert auch nicht lange bis sie wieder top fit ist (nach ca. 10 Minuten).

Wir waren immer wieder bei Kinderärzten, aber alle meinten es sei wohl ein Infekt oder Virus etc. – alles harmlos.

Nun kommt das, wovon Eltern Angst haben – Fehldiagnose:

Donnerstag 25. Juli 2013:

Unsere Kleine hatte wieder einen so üblen Tag mit denselben Symptomen. Wir sind wie immer besorgt, aber wir wissen einfach nicht was es ist und es scheint alles OK zu sein – das letzt Mal lag auch schon 1 bis 2 Monate zurück.

Freitag 02. August 2013:

8.30 Uhr: Sie hat diesen Tag schon wieder. Morgens 8.30 Uhr beginnt das ganze Theater. Alarmsignal für uns! Zeitabstand ist viel zu nah und wir müssen endlich herausfinden was es ist. Nur per Zufall haben wir die Symptome zu Diabetes Typ 1 gelesen und dann der erste Schreck, es sind dieselben Symptome (nur das mit den Zeitabständen passt nicht, egal)! Natürlich sofort einen Termin beim Arzt noch am gleichen Tag.

15.10 Uhr: Termin beim Arzt und Urinprobe, Ergebnis = Zucker im Urin und Ketonkörper (der Arzt sagt sofort, ganz trocken oh ja sie hat Diabetes Typ 1) – er ruft beim Krankenhaus an und man reagiert dort beinahe panisch, man solle schnellstmöglich kommen (innerhalb von 10 bis 15 Minuten). Wir sind total geschockt, ich breche fast zusammen. Meine Kleine, Diabetes Typ 1!?!?!? Ich achte sehr auf ihre Ernährung (hat zwar mit Typ 1 nix zu tun) und auch in der ganzen Familie gibt es keine Diabetes Fälle – totaler Schock!

15.30 Uhr: Krankenhaus, Blutentnahme – hoher Blutzucker (9,9 und Ketone Wert 2,2 – Werte gemessen in England) – man sagt uns sie hat Diabetes Typ 1 (wörtlich: wir sollten uns auf das nun einstellen)!!! Wir erzählen die Symptome und dass es bereits seit über 3 Jahren so ist – das mit sie ein klein wenig misstrauisch und man möchte doch weitere Messungen abwarten, aber es ist extrem sicher Diabetes Typ 1 (täglich Insulin spritzen vor jeder Mahlzeit, mehrmals täglich Blutzuckermessung etc.).

19 Uhr: Krankenhaus Blutzucker bei 8,8 und Ketone bei 2,1. Meiner Kleinen geht es aber besser und wir dürfen zum schlafen nach Hause fahren, müssen aber morgens gleich wieder ins Krankenhaus. Wir sind mittlerweile zu 100% sicher es ist Diabetes Typ 1 – unsere heile Welt ist kaputt. Wir bekommen ein Blutzucker Messgerät und man erklärt uns alles.

NÄCHSTER TAG (Samstag, 3. August)

9.30 Uhr: Aufgewacht, alles ok – sie fühlt sich sehr gut. Blutzuckermessung vor dem Frühstück 3,9 und Ketone 2,6. Trotzdem sind wir sicher sie hat Diabetes Typ 1. Wollen uns keine falschen Hoffnungen machen.

11 Uhr: Krankenhaus Blutzuckermessung bei 5,9 und Urinprobe zeit Ketone Negativ.

17 Uhr: Blutzucker vor dem Abendessen nur 3,9 und Ketone 0,2

Auch danach waren alle Messungen wieder top, kein hoher Blutzucker und keine Ketone. Wir hatten trotzdem noch sehr große Angst dass bei ihr die Diabetes Typ 1 gerade im Anfangsstadium ist.

Gestern (Montag, 5. August 2013) finden wir die Lösung nach langer Suche per Zufall im Internet. Wir hatten nach „Blutzucker Erbrechen“ gesucht und endlich die Antwort für alle unsere Fragen gefunden. Unsere Kleine leidet immer wieder an Azetonämischem Erbrechen.

Man kann das Azetonämische Erbrechen sehr gut verhindern indem man darauf achtet, dass die Kleinen genügend Kohlenhydrate zu sich nehmen. In den Tagen vor dem Übel sein hatte unsere Kleine stets Fleisch, Gemüse etc. gegessen, aber keine Kohlenhydrate (sie hatte gerade keine Lust auf Nudeln oder Brot etc.). Ihr Glück war immer, dass sie trotz Erbrechen sofort wieder etwas essen und trinken wollte, auch wenn es gleich wieder herauskam – dies ging mehrere Male so. So nahm ihr Körper Stück für Stück Kohlenhydrate auf bis es ihr besser ging.

Vorbeugung gegen azetonämisches Erbrechen:
Vor dem Schlafen gehen bekommt sie von nun an immer eine Kleinigkeit zu essen (nicht viel, aber etwas Kohlenhydrate für die Nacht müssen sein), dann gibt es kein böses Erwachen mehr.

Behandlung:
Sollte dein Kind gerade so einen Anfall haben, dann hilft Löffelchen weise gezuckertem Wasser in den Mund geben. Nicht schnell, sonst kommt alles wieder heraus. Über die Mundschleimhaut werden die Kohlenhydrate dann aufgenommen und es sollte dann schnell wieder besser gehen.

Das wirklich dramatische daran ist aber, dass man für sie die Insulin-Spritzen und die Dosierungen bereits vorbereitet hatte und man sie um ein Haar als Diabetikerin Typ 1 diagnostiziert hätte.

Wir sind ins Krankenhaus als es ihr Nachmittags schon besser ging. Wenn wir gleich Morgens hingegangen wären, als sie noch erbrochen hatte und benommen war, dann hätte man ihr mit ziemlicher Sicherheit sofort eine Insulin-Spritze gegeben!!

Fazit:
Hoher Blutzucker kann durch Erbrechen zustande kommen und die Ketone-Werte können auch dadurch ansteigen. Azetonämisches Erbrechen ist nicht selten und typisch bei Kleinkindern und Kindern im Grundschulalter.

Update:
Seit ungefähr einem Jahr nun nach dieser Erkenntnis hatte unsere Kleine nicht ein einziges Mal mehr erbrochen.
Interessant ist, dass eigentlich ALLE Kinder ein- oder mehrmals unter diesem azetonämischen Erbrechen leiden – mit einem Urin-Teststreifen (wir verwenden zum Beispiel Combur 9) kann man sehr schnell feststellen ob einem Kind nur Kohlenhydrate fehlen oder ob es wirklich einen Magen-Darm Virus eingefangen hat.Update 2 (22.01.2017:
Jetzt sind schon 3 1/2 Jahre vergangen und unsere Kleine hat nicht ein einziges Mal mehr aus diesem Grund erbrochen (sie hatte nur einmal einen Maden-Darm Infekt – aber das ist ok). Sie kann jetzt auch ohne eine Kleinigkeit an Kohlenhydraten zu Essen ins Bett – diese Phase ist vorbei

2 Gedanken zu „AZETONÄMISCHES ERBRECHEN – HOHER BLUTZUCKER UND KEIN DIABETES TYP 1

  1. Hallo, ich bin dankbar dass ich das hier lesen dürfte. Wir stecken auch gerade in einem Teufelskreis. Einmal im Monat heisst es Kopfschmerzen, Erbrechen ca. bis 50 mal am Tag, schlussendlich muss unser kleiner Zwerg (4) ins Spital ans Tropf (Infusion). Nach 10 Monaten Ungewissheit, erfuhren wir erst gestern dass er unter Azetonämischen Erbrechen leidet. LG Marina

  2. Mein Sohn hatte im Alter von ca 2 Jahren das 1. Mal das AE. Lange Zeit wußte niemand, um was es sich da handelt. Dann kam die erlösende Diagnose:AE und ich konnte mich nun auf eine entspr. Behandlung einstellen. Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung sofort die Butter weglassen. Ab der Diagnose mußte mein Sohn auf Bonbons, Zucker, Limo, Eis u.ä. total verzichten. Er fiel 2 x ins Koma (vor der Diagnose) und ich habe mich strikt daran gehalten.Im Krankheitsfall hat er von mir nur gekühlten Tee in kleinen Schlucken bekommen. Mit 9 Jahren hatte er das letzte mal einen Anfall und erst ab einem Ater von 15 Jahre durfte er dann wieder alles essen und trinken.
    Selbst Freude konnte einen AEAnfall auslösen.
    Ich hoffe, dass ich hiermit helfen konnte

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